Um den Begriff Prompt-Kompetenz ist ein kleiner Markt entstanden: Kurse, Zertifikate, Sammlungen. Der Großteil davon vermittelt Bedienwissen, das mit der nächsten Modellgeneration hinfällig ist. Was bleibt, ist etwas anderes.
Was sich von selbst erledigt
Formulierungstricks. Die Kunstgriffe von 2023 – Rollenspiele, Belohnungsversprechen, mehrfaches Nachhaken – wirken bei heutigen Modellen kaum noch, weil diese ohnehin auf Kooperation ausgelegt sind. Wer solche Techniken lernt, lernt eine Momentaufnahme.
Was bleibt: eine Aufgabe präzise beschreiben
Die eigentliche Fähigkeit ist älter als jedes Sprachmodell: eine Aufgabe so zu formulieren, dass jemand sie ohne Rückfragen erledigen kann. Wer das gegenüber Menschen kann, kann es gegenüber Maschinen auch. Wer es nicht kann, dem hilft kein Kurs zum Prompten – dem fehlt Klarheit über die eigene Aufgabe.
Was bleibt: einschätzen, wann man nicht fragen sollte
Die wertvollere Hälfte der Kompetenz ist die Kenntnis der Grenzen. Wer weiß, dass ein Modell bei Zahlen aus Diagrammen rät, bei Quellenangaben erfindet und bei aktuellen Ereignissen nichts weiß, spart sich die Enttäuschung und die Nachprüfung.
Was bleibt: prüfen können
Ein Ergebnis beurteilen zu können, setzt Fachwissen voraus. Genau hier liegt die unangenehme Wahrheit über Sprachmodelle: Sie nützen Fachleuten am meisten und Anfängern am wenigsten – obwohl der Eindruck der umgekehrte ist. Ein Anfänger erkennt den Fehler nicht.
Was das für Weiterbildung heißt
- Kurze Formate an den eigenen Aufgaben schlagen mehrtägige Grundlagenkurse.
- Zertifikate belegen Anwesenheit, keine Fähigkeit.
- Ein Anlass zum Anwenden in den ersten Wochen ist wichtiger als der Kursinhalt.
- Der Datenschutzteil gehört dazu und wird am häufigsten weggelassen.
Die Schulung, die tatsächlich wirkt
Ein halber Tag, an dem drei bis fünf echte Aufgaben aus dem Alltag durchgearbeitet werden, bis dafür geprüfte Vorlagen stehen. Am Ende hat das Team etwas in der Hand, das am Montag benutzt wird. Alles darüber hinaus verpufft.