Die verbreitetste Vorstellung von Prompt Engineering lautet: Je ausführlicher die Anweisung, desto besser das Ergebnis. In der Praxis stimmt das bis zu einem Punkt und kippt danach. Ab einer gewissen Länge konkurrieren Anweisungen miteinander, und das Modell folgt eher der zuletzt genannten.
Die fünf Bestandteile
1. Rolle
Eine kurze Festlegung, aus welcher Sicht geantwortet werden soll. Sie wirkt weniger stark, als oft behauptet, hilft aber bei Fachsprache und Detailtiefe. Ein Satz genügt; „Du bist ein weltweit führender Experte" fügt nichts hinzu.
2. Aufgabe
Was genau getan werden soll, in einem Satz und mit einem Verb. „Fasse zusammen" ist eine Aufgabe, „hilf mir mit diesem Text" ist keine.
3. Kontext
Alles, was das Modell nicht wissen kann: der Text selbst, die Zielgruppe, der Anlass, vorhandene Festlegungen. Dieser Teil wird am häufigsten unterschätzt. Ein Modell hat kein Gedächtnis außerhalb dessen, was im Prompt steht.
4. Format
Die Form der Ausgabe: Fließtext oder Liste, Länge, Sprache, gewünschte Struktur. Wer ein maschinell weiterverarbeitbares Ergebnis braucht, gibt ein Schema vor und verwirft Antworten, die nicht dazu passen.
5. Ausschlüsse
Was nicht passieren soll. Das ist der am häufigsten weggelassene Bestandteil und oft der wirksamste: „Keine Einleitung", „keine Aufzählungszeichen", „nichts erfinden, was nicht im Text steht".
Was der Reihenfolge nach zählt
Bei langen Prompts werden Angaben am Anfang und am Ende stärker berücksichtigt als solche in der Mitte. Die brauchbare Reihenfolge ist deshalb: Rolle und Aufgabe zuerst, dann der Kontext, dann Format und Ausschlüsse unmittelbar vor der eigentlichen Frage.
Der Test, der die Diskussion beendet
Zwei Fassungen desselben Prompts, zwanzig Testfälle, jede Fassung dreimal durchlaufen lassen. Wer das einmal gemacht hat, hört auf, über Formulierungen zu streiten, und fängt an, sie zu messen. Ohne diesen Schritt ist jede Verbesserung eine Behauptung.
Wo der beste Prompt nicht mehr hilft
Wenn die Aufgabe Wissen verlangt, das dem Modell fehlt. Keine Formulierung bringt einem System Ihre Preisliste bei. Dafür braucht es die Quelle im Kontext – oder ein Retrieval-System, das sie zur Laufzeit heraussucht.